Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Hessen e.V.

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Jahresempfang des hessischen Gastgewerbes:

„Eine Reise ohne Gasthaus ist wie ein Leben ohne Freude.“

Verbandspräsident Gerald Kink fordert Bürokratieabbau // Ministerpräsident Volker Bouffier zur Bürokratisierung: „Das Gute geht an der Übertreibung zu Grunde.“ // über 400 Gäste im RheinMain CongressCenter // Key Note von Wirtschaftsphilosoph Anders Indset zur Digitalisierung

(Wiesbaden) 9. Mai 2018. Vor über 400 Gästen aus Hessens Hotellerie und Gastronomie, Politik, Wirtschaft, Verbänden und Kammern sprachen der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und Verbandspräsident Gerald Kink zur Bedeutung der Branche. Erstmals fand der Jahresempfang des hessischen Gastgewerbes im neuen RheinMain CongressCenter in Wiesbaden statt. Mit dem Wirtschaftsphilosophen und Buchautor Anders Indset wurden die weitreichenden Auswirkungen der Digitalisierung auf Wirtschaft und Alltag neu betrachtet.

„Das Gastgewerbe in Hessen - das ist Wirtschaft in Tausenden von kleinsten, kleinen und mittleren Betrieben, die Städte und Dörfer prägen, dem ländlichen Raum Hoffnung geben, gemeinsam Milliarden erwirtschaften und über 185.000 Menschen Arbeit und Lohn sichern.“, leitete der Präsident des DEHOGA Hessen seine Ansprache ein und machte deutlich, welch hohe volkswirtschaftliche Bedeutung die rund 17.000 Unternehmen der Branche in Hessen inne haben.

DEHOGA Hessen-Präsident Kink machte jedoch auch deutlich, dass bei genauerem Hinsehen, ein differenzierteres Bild zu erkennen sei. Längst nicht alle stünden auf der Gewinnerseite. So hätten insbesondere die vielen kleineren inhabergeführten Restaurants und Gasthöfe auf dem Land das Nachsehen. In den letzten Jahren mache ein Landgasthaus nach dem anderen seine Pforten für immer zu, und dies nach oftmals vielen Generationen. Dabei habe das Gastgewerbe in Hessen einen großen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Stellenwert. Insbesondere außerhalb der Ballungszentren fungierten seine Betriebe als Treffpunkt aller sozialen Schichten und verkörperten einen hohen Grad an Lebensqualität. „Gasthäuser“ dienten als Ort der Geselligkeit, als Plattform zum Austausch der regionalen Bevölkerung und hätten einen positiven Einfluss auf die örtliche Dorfgemeinschaft. Dem pflichtete Ministerpräsident Volker Bouffier bei: „Die Gastbetriebe sind Begegnungsstätten, in denen Menschen sich begegnen und miteinander kommunizieren.“

Und Gerald Kink ergänzte mit Hinweis auf das Gasthaussterben: „Eine Reise ohne Gasthaus ist wie ein Leben ohne Freude.“

Er ermutigte die Landesregierung zu mehr Unterstützung und auch finanzieller Begleitung zum Beispiel bei Neuausrichtungen der Konzepte und Beratungsleistungen in den Bereichen Marketing und Digitalisierung für die hessische Gastronomie.

Eine dauerhafte und wachsende Bürokratie laste zudem schwer auf der Schultern der gastgewerblichen Unternehmer: die vom Verband als „nicht mehr erträglich“ bezeichneten Auflagen und Verordnungen, jüngst die Datenschutzgrundverordnung der EU entfernten Hoteliers und Gastronomen immer mehr von ihren Kernaufgaben. „Wir wollen einfach gute Gastgeber sein!“, so Gerald Kink. „Es muss doch anerkannt werden, dass es einen Unterschied zwischen Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern und zum Beispiel den kleinteiligen Betrieben des Gastgewerbes gibt.

„Wenn wir über große Nachfolgeprobleme der elterlichen Betriebe gerade auf dem Land sprechen, so muss uns bewusst sein, dass viele junge, gut ausgebildete Kinder dieser Betriebe angesichts der bürokratischen Rahmenbedingungen der Branche den Rücken kehren!“ Hotel- und Gastronomiebetriebe seien absolut standorttreu, sie produzierten vor Ort und zahlten auch hier ihre Steuern. Darüber hinaus seien sie zwingend auf regionale Produzenten, Handwerker und Dienstleister vor Ort angewiesen, so Kink.

„Wir wünschen uns politische Rahmenbedingungen, die Sicherheit geben und Freiräume stärken, statt sie – gerade für die vielen mittleren und kleinen Betriebe zu begrenzen. Wir wünschen uns wieder mehr Raum für selbstverantwortliches Handeln, Kreativität und unternehmerische Freiheit.“, so Kink abschließend.

Der Ehrengast Volker Bouffier nahm diese Vorlagen des DEHOGA-Präsidenten in seiner Rede gleich auf und sprach von der Kleinbetriebsregelung „als einer charmanten Idee, bei deren Umsetzung ich jedoch nur begrenzte Hoffnung habe.“

Er versprach jedoch, die Branche „nicht mehr als nötig zu quälen“ und sagte insbesondere bei der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung auf Landesebene zu, bei der Bürokratisierung Maß zu halten. Er warb dabei am Beispiel des Nichtraucherschutzgesetzes, das in Hessen auch mit Rücksicht auf Kleinbetriebe zurückhaltend ausgestaltet worden sei, um Vertrauen und sicherte zu, dass es bei diesem Thema, ebenso wie bei der reduzierten Umsatzsteuer für Übernachtungsleistungen, keine Änderungen geben werde, „solange ich hier in Hessen etwas zu sagen habe.“

Zugleich hob der Hessische Ministerpräsident die „Verdienste der über 185.000 hessischen Beschäftigten in über 17.000 Betrieben des Gastgewerbes“ hervor. „Sie alle sorgen dafür, dass sich die Gäste hier wohlfühlen und gerne wiederkommen,“ sagte Bouffier direkt zu den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern und dankte ihnen stellvertretend für die gesamte Branche.

Bouffier sicherte weitere Unterstützung der Landesregierung beim Kampf gegen das Gasthaussterben im ländlichen Raum zu und verwies auf bereits bestehende Förderprogramme. „Erstmals haben wir Gasthäuser zum Bestandteil der Daseinsvorsorge gemacht,“ lobte der Ministerpräsident die Arbeit seiner Regierung, damit bestehe die Chance für Betriebe der Branche, an ganz neue Fördermöglichkeiten zu kommen, hier biete die Landesregierung dem DEHOGA ausdrücklich eine noch stärkere Zusammenarbeit an.    

Wie alle Wirtschaftszweige und Arbeitswelten steht auch das Gastgewerbe vor Transformationsprozessen der Digitalisierung im weiten Sinne. Dabei seien die Geschwindigkeiten der Betriebe höchst unterschiedlich. Mit einem globalen philosophischen Ansatz und einer überraschend anderen und durchaus nachdenklichen Seite näherte sich der Wirtschaftsphilosoph Anders Indset diesem Thema in seiner Key Note: „Wir leben heute in einer Welt, in der die Gesellschaft schneller Wissen generiert als Weisheit.“

Es herrsche ein Zustand der permanenten Revolution und des ständigen Wandels. Jene, die es beherrschten die Macht des “Wilden Wissens” zu entdecken, zu strukturieren und zu nutzen, würden sich sowohl in der Geschäftswelt als auch im Leben als Gewinner hervortun.