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Seminare 2015


Der DEHOGA Hessen bietet ein speziell auf das hessische Gastgewerbe ausgerichtete Seminarprogramm in 2015 mit über 50 verschiedenen Themen.

HIER können Sie das Seminarprogramm lesen und herunterladen.

DEHOGA Hessen-Kampagne „Gasthaus trifft Rathaus“

Start der Initiative in Gelnhausen / Kommunalpolitik und Gastwirte diskutieren / Kulturgut „ländliche Gastronomie“

Wiesbaden/Gelnhausen, 27, Januar 2015. Der Hotel- und Gaststättenverband startete mit Unterstützung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes und des Hessischen Tourismusverbandes seine für die nächsten zwei Jahre geplante Kampagne „Gasthaus trifft Rathaus“ in Form einer Roadshow am 26. Januar 2015 in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis). Bürgermeister, Landtagsabgeordnete, Touristiker und vor allem über 35 Gastwirte sind der Einladung ins Gasthaus „Zur Krone“ gefolgt.

Die Situation der klassischen ländlichen Gastronomie ist beklemmend: Während im Jahr 2002  knapp 3.000 klassische Gaststätten in ganz Hessen statistisch erfasst wurden, waren es 2014 nur noch rund 1.780.Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Julius Wagner, ergänzt die prekäre Entwicklung um die besorgniserregende Prognose: „Bis zum Jahr 2020 rechnen wir mit einem Rückgang von rund weiteren 40 Prozent unserer Gasthäuser.“

Diese Entwicklung bereitet dem DEHOGA Hessen Sorgen. Daher richtet der Verband sich nun mit einer breit angelegten Kampagne an Gastronomen und Politiker vor Ort in den Gemeinden. Mit „Gasthaus trifft Rathaus“ soll ein regional-gastronomischer Dialog begonnen werden, um gemeinsam Lösungsansätze zur Unterstützung des Kulturguts „Gasthaus“ zu entwickeln.

Zum Auftakt hatte der DEHOGA Hessen in das Gasthaus „Zur Krone“ zusammen mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund sowie dem Hessischen Tourismusverband eingeladen.

In Form eines lockeren Wirtshausgesprächs wurden die Probleme und Herausforderungen im Wortsinne auf den Tisch gelegt: „Unser Einsatz für die Dorfgasthäuser ist kein Nostalgieprojekt, bei dem wir der Vergangenheit nachtrauern, sondern ein Projekt für die Zukunft. Wir sind sicher, dass Gastronomie auf dem Land auch unter veränderten Bedingungen eine Perspektive hat – und diese Perspektive wollen wir gemeinsam mit Kommunalpolitikern im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe entwickeln.“, sagte der Präsident des DEHOGA Hessen, Gerald Kink.

„Wir werden dabei sicher Probleme ansprechen, aber wir werden nicht nur über Probleme reden, sondern vor allem über Chancen und Lösungsansätze“, so Kink weiter. Zunächst sei es wichtig, ein Bewusstsein dafür und die Bedeutung des Kulturgutes „ländliche Gastronomie“ zu entwickeln und zu schärfen.

Präsident Kink: „Ein Patentrezept oder ein Standard-Konzept gibt es nicht. So vielfältig die Problemstellungen, so unterschiedlich müssten auch die Lösungsansätze sein.“

Entsprechend deutlich formulierten die anwesenden Gastwirte denn auch ihre Herausforderungen. Brandschutzauflagen, Schwarzgastronomie, Billigkonkurrenz in Einkaufszentren und Kliniken machten es ihnen schwer, sich auch mit einem klaren eigenen Konzept und regionalen Profil weiterhin zu behaupten. „Wir wünschen uns zuallererst einfach mehr Wertschätzung“, sagte unter Beifall Dieter Adt vom Hotel Orbtal aus Bad Orb.

Doch der Verband macht Hoffnung: „Es gibt nicht nur Ausnahmen, sondern echte Zukunftsperspektiven. Es gibt aus ganz klarer betriebswirtschaftlicher, touristischer und marketingtechnischer Sicht echte Chancen, die „Nische“ Gasthaus attraktiv und wirtschaftlich zu entwickeln. Dafür gibt es in Hessen tolle und spannende Beispiele.“, so Wagner.

Dies sahen auch die anwesenden Bürgermeister der Städte und Gemeinden Gelnhausen. Sinntal, Wächtersbach und Ronneburg so. Besonders intensiv wurde über eine engere Einbindung der örtlichen Gastronomen in kommunalpolitische Entscheidungsprozesse, Bürgerhäuser und Konkurrenzfragen der Vereinsgastronomie diskutiert. „Wir werden schon anlässlich der nächsten Bürgermeisterdienstversammlung das Thema ‚Gasthaus trifft Rathaus‘ auf die Tagesordnung setzen“, versprach der Bürgermeister der Gemeinde Sinntal, Carsten Ulrich. Seine Kollegen Andreas Hofmann, Thorsten Stolz und Andreas Weiher bekräftigten den hohen Stellenwert einer vielfältigen und gesunden lokalen Gastronomie.

Gasthäuser auf dem Land müssten heute besondere Erlebnisse bieten, die Gäste müssten schließlich aus Nah und Fern angezogen und begeistert werden. Hier sei eine enge Vernetzung mit den lokalen und regionalen Tourismusorganisationen ratsam, um sich in bestehende Marketingkonzepte der touristischen Region einzubringen. Wanderwege, Rad- und Flussrouten, Natur- und Kulturerlebnis, Erholung und Sport sollten auch in der Werbung und in gezielten Vermarktungsaktivitäten verknüpft werden. Erfolgversprechend seien vor allem Konzepte, die ihre regionale Kompetenz ausbauen und in den Vordergrund stellen. Die regionale Küche sei ein echter Megatrend, den ganz besonders die ländliche Gastronomie intensiv und glaubwürdig bespielen müsse. Dabei komme es insbesondere auf Qualität und Service an.

Der nächste Termin der Kampagnentour durch Hessen „Gasthaus trifft Rathaus“ findet am 17. März 2015 im Hochtaunus statt.

 

Hintergrundinformationen zum Gasthaussterben in Hessen

Die Nachfolgeproblematik

Hessens Gasthäuser und Gasthöfe stehen aktuell inmitten eines gigantischen Generationenwechsels. In den meisten Fällen müssen ist festzustellen, dass die Betriebe nicht mehr fortgeführt werden, da sich keine Nachfolger gefunden haben oder finden lassen. Bei der Nachfolge gibt es grundsätzlich zwei Szenarien, nämlich einerseits die familieninterne Nachfolge, die aber voraussetzt, dass die Kinder der Gastwirte tatsächlich den elterlichen Betrieb übernehmen. Dieser Fall ist gerade in den kleinstbetrieblichen Bereichen der Kneipen und Gaststätten kaum noch vorhanden. Und andererseits die erfolgreiche Suche nach einem Nachpächter oder Käufer des im Eigentum stehenden Betriebs.

Bürokratie, Verordnungen, Dokumentationspflichten & Co.

Die Gastwirte müssen in den letzten Jahren mit einer immer weiter steigenden Anzahl an bürokratischen Gängelungen zurechtkommen. Größere Betriebe haben damit weniger Schwierigkeiten, aber Gasthäuser mit durchschnittlichen Jahresumsätzen nicht über 120.000 bis 150.000 Euro hingegen schon. Hier sei allein auf das kostentreibende Thema Brandschutz in den Kommunen hingewiesen. Da stehen sich durchboxende Betriebe auf einmal vor dem finanziellen Ruin, weil die Brandschutzauflagen steigen und der Bestandsschutz entfällt.

Es müssen beispielsweise in Gastronomien mit über 200jähriger Wirtshaustradition Brandschutztüren eingebaut werden, die einen ganzen Jahresumsatz verschlingen. Hygiene-Ampel, Allergenkennzeichnung, Dokumentationspflichten beim Thema Mindestlohn u.v.m. sind für diese Betriebe schon gar nicht mehr ernsthaft diskutabel. Die Bürokratie droht die Betriebe schlicht zu ersticken. Viel zu lange haben die Kommunen den hohen sozialen Wert ihrer lokalen Gastronomie nicht wahrgenommen und diese nicht gepflegt. Vielmehr hat die Kommunalpolitik die Gastgeberbranche einer immer weiter wachsenden Vielzahl an behördlichen Auflagen und Erfordernissen ausgesetzt.

Die Betriebe funktionieren heute vielfach nur noch, wenn die Wirtin oder der Wirt in Übervollzeit präsent sind und Familienangehörige eingesetzt werden können.

Für Spitzenzeiten werden 450-Euro-Kräfte eingesetzt. Anders ist das gar nicht mehr darstellbar und die Umsätze bzw. Erträge reichen kaum zur Existenzsicherung der Wirte aus, von einer Altersvorsorge ganz zu schweigen.

Investitionsstau und Finanzierungsengpässe

In diesem Zusammenhang stellt sich das weitere Problem eines enormen Investitionsstaus dar. In vielen Betrieben reichten die Gewinnmargen in den vergangenen Jahren nicht mehr aus, um die Holzvertäfelung, die Sitzpolsterung und den Resopaltresen aus den 70ern zu erneuern. Banken gewähren hier keine Kredite oder nur zu Zinssätzen, die nicht darstellbar sind oder deren Erwirtschaftung unter den gegebenen Vorzeichen mindestens riskant ist.

Der demografische Wandel und die Entvölkerung ländlicher bzw. dörflicher Strukturen

Gerade in den ländlichen Strukturen brechen ganze Gemeinschaften sukzessive einfach weg. Bekannt ist dies bereits am Beispiel des akuten Ärztemangels in den ländlichen Regionen oder am Beispiel der Schließung von Schulen, Einzelhandelsgeschäften etc. Das Dorfgasthaus, der Landgasthof sind schließlich die letzten sozialen Mittelpunkte örtlicher Gemeinschaften. Der demografische Wandel sowie der Trend des Wegzugs aus den ländlichen Bereichen lassen die Basis funktionierender Unternehmen in diesen Regionen schwinden. 

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